Vaters Wahnsinn – Teil 4

Natürlich gibt es weitaus schlimmere, älterer Herrn, als den meinen. Über diese sensationelle Weisheit muss man nicht weiter lamentieren. Das ist so! Definitiv! Denn selbst vom angenommenen Schlimmsten, gibt es bekanntlich ja auch immer noch eine Steigerung. Somit …, es hätte mich noch schlimmer treffen können. Ja, wohl wahr, auch wenn man sich dafür rein nix kaufen kann! In China ist gerade wieder mal ein Sack Reis umgefallen. Unglaublich oder?

Somit sind leider auch mir, über die Jahre hinweg, immer mal wieder Fälle von väterlicher Gewalt zu Ohren gekommen die sich im meinen näheren Umfeld ereignet haben und die einfach wirklich nur betroffen machen. Ja, einfach nur unbegreifbar sind. Davon kann hier und jetzt, und in meinem „Fall“, natürlich überhaupt nicht die Rede sein und dies kann ich nicht ausdrücklich genug betonen.

Mein Vater hat mich, in all den Jahren, nur ein einziges Mal geschlagen, … ach, geschlagen … mir lediglich mal eine Ohrfeige verpasst, soweit ich mich heute noch recht entsinne, obwohl ich es vermutlich deutlich öfter verdient gehabt hätte – damals. Aber diese eine hatte es eben in sich. Und diese Ohrfeige gab es dafür, dass ich ihm ungefragt ins Wort gefallen bin. Wir saßen allesamt im Urlaub, im Restaurant gemeinsam, mit einem befreundeten Ehepaar, zu Tisch. Und mein Vater führte nun, wie immer eigentlich ja und bis heute, das allgemeine Tischgespräch lautstark an. Ich weiß nicht mehr warum und wieso ich mich dazu damals überhaupt genötigt sah, und ich weiß auch nicht mehr worum es bei all der Lamentiererei ging. Aber ich muss ihn wohl mehrfach in seinem lauthalsen Ausführungen unterbrochen haben, als es dann, zu meiner ganz großen Überraschung, mal so richtig klatschte, so in meinem Gesicht. Das war dann nicht nur für mich extrem peinlich, und ich muss wohl ziemlich betreten ausgesehen haben, sondern auch für den Rest des völlig überforderten Auditoriums. Denn immerhin war ich damals schon 16 Jahre alt und kein nervig rum krakeelendes Kleinkind mehr. Leider weiß ich heute nicht mehr, was ich damals gesagt habe. Aber vermutlich war das Was ich sagte auch völlig egal. Allein nur die Tatsache, dass ich ihn in widersprechender Weise unterbrochen habe, war ihm dann wohl zu viel des Guten – vor allem, vor Publikum, das geht wohl rein gar nicht.

Und dies ist bis heute so! Letztes Jahr … wieder einmal, das alljährliche Stell-Dich-Ein im Zeichen der Geburt des Herrn, worauf er größten Wert legt – mit Vasallen gleichen Publikum, immer wieder nur bestehend aus mir eigentlich völlig fremden Menschen, die man eben halt nur einmal im Jahr sieht, also mit denen man ansonsten nie was zu tun hat und dessen Namen man sich von daher im Grunde auch nie wirklich merken kann. Und warum auch immer, 36 Jahre später, nach der letzten und einzigen Ohrfeige, musste ich mal endlich wieder einen seiner lautstark vorgetragenen Redeanfälle verbal unterbrechen. Einfach mal nur so. Nein stimmt nicht so ganz: Mir ging das mal wieder aber sowas auf den Wecker und auf den ganz großen Zeiger! Diese ewige, blasierte Selbstgefälligkeit. Und diese ist selbst nur einmal im Jahr, kaum zu ertragen.

Was ein Fauxpas!

Aber, und dies muss ich noch zu meiner Entschuldigung jetzt anführen – mein Einwand war nur eher witzig gemeint und somit keineswegs von despektierlicher Natur. Das würde ich mich ja auch nicht mal Ansatzweise wagen würden. Aber mein alter Herr hat eben auch keinen Humor. Null Humor! NULL, NULL, NULL,  … Zumindest nicht in der Art, wie er im Allgemeinen verstanden wird. Nein, er lacht dann am liebsten in den Momenten, wenn er sich über andere, also die vermeintlich Schwächeren um ihn herum, wie er zu Glauben gedenkt, lustig machen kann. Appes Bein, appes Ohr und all die eh viel zu dicken, dämlichen und unsportlichen: Das findet er total witzig, … ja, aber sowas von witzig, ja, zum Brüllen komisch. Und es stört ihn dann auch nicht im Geringsten, wenn alle anderen in besagter Götterrunde (er braucht für sowas immer auch eine Bühne, da läuft der Alte dann immer zur absoluten Höchstform auf, sonst macht all das rumgiften ja alles keinen Sinn) dann auch nur allzu betreten dreinblicken, und er mal wieder der Einzige ist, der herzhaft kichert und wie total bekifft gackert, über seinen eigenen, völlig dämlichen, ziemlich schlechten und nur verletzend wollenden Schwachsinns Witz, der ja eben, im Sinne von Humor, auch keiner ist. Nein, der meint das ja NIE böse! Nein, das ist eben total witzig. Nur, es lacht nie wer mit.

Nun, mein ungeheuerlicher Einwand, auf besagter Feier letztes Jahr, auf die ich an andere Stelle später nochmals etwas genauer eingehen werde, hatte keine zweite Ohrfeige zur Folge. Diese, also eine zweite Ohrfeige, hätte dann allerdings auch dazu geführt, … auch wenn ich ein absolut gewaltfreier Mensch bin, dass mein alter Herr, komplett unangespitzt, durch das Nächstliegende, geschlossene Restaurantfenster geflogen wäre. Und das VOR all seinen abermals versammelten Vasallen! Aber, man kann ja meinem alten Herrn alles Mögliche vorwerfen und nachsagen, und dies leider meist immer auch zu Recht, aber gänzlich dämlich oder völlig verblödet ist er eben nicht. Ganz im Gegenteil. Er ist der Herr der perfiden Kriegsführung. Er weiß natürlich ganz genau, auch wenn er im recht hohen Alter immer noch recht fit und sportlich daher kommt – neben mir stehend wirkt er dann doch mittlerweile eher wie ein kleines, schmächtiges Männlein und ich dagegen, wie tonnenschwerer Klotz. Rein optisch nur, versteht sich. Natürlich scheuert der mir heute keine mehr. Aber das war ja auch nie seine bevorzugte Art und Weise in Sachen Agitation.

Ende Teil 4

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Vaters Wahnsinn – Teil 3

Um nun, in der schneidend scharfen Argumentationstechnik meines alten Herrn zu verbleiben, die auch immer gleich alles unmissverständlich auf den Kern der Sache bringt, will ich diese Frage auch in dieser Art und Weise so weiter formulieren, bzw. beantworten: Die Väter der langhaarigen Hippies waren ja alle Nazis. Und mit beiden Seiten will man ja nix zu tun haben. Die Einen haben eben damals, in verhängnisvoller, ja, kollektiver Komplettumnachtung, lauthals SIEGHEIL skandiert um sich anschließend, mal mehr oder weniger freiwillig, die Birne wegdödeln lassen, … die anderen, YEAH, YEAH, YEAH – ALL YOU NEED IS LOVE …, lauthals gesungen, auch damals, wenn auch Jahre später,  … und auch noch sowas wie kollektiven Massenfick betrieben. Massenmord, Massenkult, Massenbumms! Die einen, viel zu kurze und die anderen, viel zu lange Haare. Ach du Liebe Güte, ist das alles kompliziert. Und kompliziert ist ja nicht so sein Ding.

Nicht, das er dies je so gesagt hätte. Mitnichten! Dies wäre an dieser Stelle auch eine allzu böswillige Unterstellung meinerseits, … aber er hätte es eben auch genau so sagen können. Und es hätte mich somit auch nicht groß verwundert. Dieser Satz folgt nämlich eben einer ganz bestimmten Logik, nämlich einer Logik die eben überhaupt keine ist, und nur seinen ganz eigenen gedanklichen Atrozitäten Rechenschaft schuldig ist. Wie zum Beispiel: Wie, Du hast dir den Fuß verstaucht? Ja, du rauchst eben zu viel!

Was will uns das jetzt sagen? Keine Ahnung?

Ganz einfach! Mein alter Herr ist eben nicht nur ein überaus bedeutsamer Philosoph der in seiner komplexen, intellektuellen Gewichtigkeit kurz hinter Nitzsche einzuordnen ist, sondern er verfügt auch über wie sowas wie geradezu unerklärliche, seherische, ja, fast schon schamanische Fähigkeiten! Und dies geht so – also ICH = Fuß verstaucht und jetzt die Vision: Sohn geht aus der Haustür raus, kramt in seiner Jackentasche nach seinen Kippen rum, weil er natürlich schon gleich wieder eine rauchen muss – ist für einen Moment somit abgelenkt und rutscht aus. Autsch.

Also so! Und wenn das jetzt nicht gleich, in Sachen Seher Fähigkeiten zeitlich alles unbedingt zusammenpassen würde, dann bin ich eben mal auf dem Eis im Winter, dann im Frühjahr auf nassen Blättern, im Sommer auf einem weggeworfenen Kindereis, usw. – mal so ausgerutscht.
Natürlich muss man dafür studiert haben um den Kern dieser Version zu begreifen, ja zu erfassen. Mit normalem, gesundem Menschenverstand ist das so gut wie unmöglich. Somit für die Nichtstudierten: Schuld ist und bleibt letztendlich das Rauchen. Immer und an Allem! Denn man muss ja nicht in der Jacke, gleich vor der Türe stehend, nach den Kippen kramen, denn das ist faktisch eben völlig ungesund, egal zu welcher Jahreszeit. Und wer raucht, der ist ja im Grunde sowieso auch permanent bekifft. Denn rauchen = kiffen. So einfach ist das. Oder kann es sein, wenn man die Weisheiten dieser Welt komplett in sich aufgesogen und nicht nur mit Löffeln gefressen hat. Mit anderen Worten, oder besser gesagt, im Sinne seiner Visionen, bin ich eben somit auch immer sowas von bedröhnt, sodass ich angeblich eben selber nicht mehr weiß, dass ich vor der eigenen Haustüre ausgerutscht bin. Und das mit dem Laufband, im Fitnessstudio, wo ich mir dann tatsächlich den Fuß verknackst hatte, das habe ich mir natürlich auch nur eingebildet! Denn das ist ja der Punkt: Das bekomme ich als Raucher ja eben gar nicht mehr mit, wenn ich ausrutsche, vor eine Hauswand oder vor ein vorbeifahrendes Auto laufe.

Natürlich ist das von mir jetzt rein überzogen, und fast komplett erfunden dargestellt. Aber eben leider nur fast! Denn es trifft sehr genau die väterlichen Praktiken in Sachen Argumentation – und Agitation. Und beides gehört eben leider auch zusammen. Es geht doch nicht um das Wissen an sich, was er ja sowieso nicht für sich alleine gepachtet und im Grunde ja auch nicht hat, sondern allein nur darum, wie vehement und absolutistisch man dieses, im Grunde Nichtwissen, vertritt.

Und, … es geht noch dreister! Somit ein weiteres Beispiel simpelster Natur – mein alter Herr in Reinform: Das Grün ist Rot, so seine Behauptung. Einfach nur mal so und aus reiner Selbstgefälligkeit, ohne Sinn und Verstand, und vor allem ohne erkennbares Ziel in den Raum gestellt. Selbst wenn der dümmste Farbenblinde nun erkennt – nein, das ist doch Grün, und nicht Rot, wird nochmals „gefühlvoll“ insistiert: Doch, das ist Rot. Und wenn Du mir jetzt nicht zustimmst und das nicht genauso so siehst wie ich, bist du der größte Vollidiot aller Zeiten, der mal dringend zum Augenarzt muss.
Es kommt plötzlich ein Dritter hinzu und bewundert dieses wunderschöne Grün. Der durch meinen alten Herrn total verwirrte und vermeintlich in Sachen Farbwahrnehmung völlig Umgepolte merkt nun an, dass ist aber doch eindeutig ein tolles Rot, und eben kein Grün. Der unverhoffte Dritte im Bunde würde nun vermutlich anmerken, … also mein Freund, das ist eindeutig ein Grün und ganz sicher kein Rot. Sie müssen, mal ganz schnell zum Augenarzt … Ja, aber der da, … also mein alter Herr, … hat immer versichert, das ist eindeutig ein tolles Rot …

Punkt, Punkt, Komma, Strich – ja, und was würde mein alter Herr wohl dazu sagen? Ja, wer das jetzt nicht schon erahnen kann, dem gebe ich gerne an dieser Stelle seinen Lieblingsspruch wieder: Ne, das habe ich nie so gesagt! Natürlich ist das Grün, was denn sonst! Und dies sagt er mit so hemmungslosem, vollem Ernst und ohne rot zu werden, obwohl der Geschasste ja im Grunde gleich neben ihm steht. Tja, wer will dem wohl widersprechen wollen? Vielleicht der arme, angeblich farbenblinde Idiot? Vielleicht – wenn der denn könnte. Aber der ist natürlich so fassungslos, dass es ihm glatt die Sprache verschlagen hat. Und was lernen wir daraus? Auch mit sowas kommt man ganz wunderbar durchs Leben. Man ist de facto ein Arschloch, oder man wird es vielleicht mal, wenn man es sowieso nicht schon ist. Denn Arschloch werden kann man sogar lernen. Ist doch super, oder?

Ende Teil 3

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Noßmann – Workshops

Zeichnen lernen – Zeichnungen verstehen.
Ab 21.08.2014 beginnen die Noßmann Workshops im Studio der Liblarer Straße in Brühl.
Kurszeiten und Preise werden in den  kommenden Tagen bekannt gegeben!
Die Kurse werden auf jeweils maximal 4 Teilnehmer begrenzt!

Bei Interesse kann man sich schon vorab per Email (a@nossmann.com)
oder per Facebook PM weitere Infos anfordern.

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Vaters Wahnsinn – Teil 2

Natürlich müsste mein alter Herr die Rolling Stones kennen, und kennt sie vermutlich auch, um jetzt mal ein eher harmloses Thema, so gänzlich am Rande, anzuschneiden, um klar zu machen, wie, wer tickt.

Es ist ja im Grunde die Musik seiner Generation, die Generation unserer Eltern, in der Elvis, Chuck Berry und der Rock ´n Roll aufkam, die Beatles und die Stones die Massen hypnotisierten. Im Grunde eine Zeit, auf die viele, so wie ich auch, heute ja sogar noch mit einem gewissen Neid zurück blicken, weil man selber damals einfach noch zu jung, eben noch ein Kind war, das alles einfach noch gar nicht so mit bekam und nur aus Geschichtsbüchern oder den Erzählungen der „etwas“ älteren kennt. Denn das, was sich in den 1960ern Jahren, in Sachen Musik, Kunst und Kultur und natürlich auch in der Politik zu bewegen begann, ist meiner Meinung nach, bis heute, einzigartig. Hier wurde mal endlich dieser ganze Mief dieser beiden scheiß Weltkriege und dieses ganze Gedöns, rund um diese unsägliche, viktorianische Verklemmtheit und starrer, preußisch, deutscher Etikette, von einer rebellierenden, und völlig außer Rand und Band geratenen Jugend ad absurdum geführt. Unsere Jungend heute, … ach du liebe Güte, ich will jetzt nicht schon wie ehemals Platon …, und vor allem nicht wie mein eigener alter Herr klingen! Das wäre absolut fürchterlich …!

Dieser dünne Jagger, und dann der andere, der so aussieht, wie diese fürchterliche Frau Sowieso, von neben an. Ja, so turnt man doch nicht rum, so halbnackt, in dem Alter noch – Affenmusik. Ja, wie sehen die denn überhaupt aus? Und dann dieser Jagson, der da letztens verstorben ist. Ich dachte immer, das wäre dieser Boxer. Nee, das ist ja dieser schwatte Kinderschänder. Um den ist es ja nun wirklich nicht schade.

Loriot lässt grüßen. Ja, mein Gott, was gäbe ich nur dafür, mal einen Mick Jagger als Vater gehabt zu haben – und wenn auch nur mal für einen einzigen Abend. Sicher, auch dieser ältere Herr, welcher ja witziger Weise nur  unwesentlich jünger ist als der eigene, der aber wie von einem ganz anderen Stern zu stammen scheint, hat ganz sicher auch seine Schattenseiten. Reichlich vermutlich! Aber es gäbe zumindest einen Abend lang ein Superbesäufnis, Koks ohne Ende und jede Menge 21jährige Groupies zum befummeln. Aber vor allem coolste Mucke und nicht dieses dusselige James Last, Max Greger und Bert Kaempfert Gedudel, welches aber irgendwie schon formal passend war, zu den ewig gleichen, Bergpredigten nahe kommenden und gebetsmühlenartig vortragenden Vorurteilen, Meinungen die die Welt nicht interessiert und altertümlichster Ansichten darüber, wie man sich gefälligst zu benehmen hat.

Nicht das ich irgendwas gegen einen James Last einzuwenden hätte, um nur ein Beispiel zu nennen. Jede Form von Musik hat natürlich seine Berechtigung. Wenn man allerdings ausschließlich dieser Art von Musik frönt und dann auch noch der Meinung ist, wer anderes Gedudel hört ist entweder ein völlig überdrehter Intellektueller (Klassikfan) oder ein armer Hippie (Affenmusik), dann ist man eben nicht gerade der ausgewiesene Musikkenner, als den man sich selber so gerne ausgibt. Denn wer von morgens bis abends nur Groschenromane liest, hat eben nicht gleich auch automatisch ein Mitspracherecht bei der Vergabe des Literatur Nobelpreises. Oder? Und als ich mich dann mal, im zarten Alter noch, anzumerken getraute, dass ich seine Musik einfach nur scheiße finde, wurde mir recht schnell verdeutlicht, dass ich Steppke natürlich überhaupt keine Ahnung von Musik hätte. Denn immerhin würden sich diese Platten ja Millionenfach verkaufen. Womit er sicher Recht hatte. Doch nur weil sich die Currywurst Millionenfach verkauft, wird daraus noch lange kein Angus-Steak.

Schlechter Vergleich? Okay, dann nochmal: Auch wenn die Tage, der alte Albrecht Milliarden schwer verstarb,  werden auch weiterhin, auch nach seinem Tod, in den Aldi-Ketten noch weitere Milliarden umgesetzt. Und dennoch geht da trotzdem kein Viersternekoch einkaufen. Es sind eben nur die Massen eines Heinblöd oder Hinz und Kunz, auf der Suche nach einer 99 Cent Tiefkühlpizza.

… Besser? … Immer noch nicht? Ach, im Sinne Heinz Erhards  - Einer geht noch: Ein Ikea Poster ist eben kein Rembrandt. Und wer das jetzt immer noch nicht verstanden hat, ist eben ein Vollidiot und hat keine Ahnung. Punkt, Ende, Aus, – Ende der Diskussion.

Warum aber bitte, kam von all dem, aus diesem so bewegenden Zeitgeist der 1960er, so rein gar nichts bei meinem alten Herrn an? Nicht das ich das heute alles, was neben den längst überfälligen Veränderungen, wie freier Sex, Kiffen für alle, von morgens abends, gutheiße, … nee, auf die langhaarigen Bombenleger hätte die Welt wohl verzichten können.  

Ende Teil 2

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Vaters Wahnsinn – Teil 1

Mittlerweile hat man ja selber schon ein Alter erreicht, in dem die eigenen Kinder auch schon erwachsen sind, wenn man denn welche hat. Man ist also selber Vater, mit all seinen Fehlern, mit all seinen Schwächen – kurz um, man ist auch als solcher ein Mensch, so wie im Grunde ein jeder anderer auch, der eben keine Kinder hat.  Aber was die meisten, so langsam alternden Herren meiner Generation gemeinsam haben, egal ob nun eigene Kinder da sind oder nicht, ist die Tatsache, dass es eben da noch einen weiteren Vater gibt – nämlich den eigenen, den Opa also, und nur die wenigsten, die ich kenne, haben sich jemals gewünscht, so zu werden wie er. So auch ich!

Natürlich ist man selber nicht zu vermessen anzunehmen, dass diese  Ansicht nicht auch bei den eigenen Kindern vorherrschen könnte. Aber man hofft ja immer und man tut ja auch möglichst alles dafür, dass es zumindest nicht soweit kommt… nicht in dieser abgrundtiefen Deutlichkeit, nicht so, als wenn sich gefühlte Lichtjahre zwischen den Generationen aufgebaut hätten, die dann dazu führen, das man entweder rein gar nicht mehr mit einander oder wenn überhaupt, nur noch auf die notwendigsten Gesten von Höflichkeit beschränkt, miteinander kommunizieren kann. Denn es ist irgendwie alles anders, mit dem eigenen, alten Herrn.

Natürlich kann man die Väter, auch meiner Generation, nicht generalisieren und somit auch nicht per se zu Anti-Vorbildern stigmatisieren. Das ist natürlich auch nicht meine Absicht. Aber egal mit wem ich auch immer, über die Jahre hinweg, über diese Frage diskutiert habe, im Grunde haben alle ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn auch nicht ganz so Groteske, wie ich selber.

Vorab stellt sich natürlich die Frage, ob es sich überhaupt gehört, über dieses Thema öffentlich auch nur einen Satz zu verlieren. Vor allem deshalb, weil man ja nicht über einen längst verblichenen schreibt, der sich dann sowieso nicht mehr wehren kann, sondern über sein eigenes, noch immer existierendes, väterliches Ich. Denn das ist ja im Grunde eine Frage des Anstandes. Wieder so ein allzu überstrapazierter Begriff: Anstand!

Aber da es meinem alten Herrn grundsätzlich sowieso scheiß egal ist, was andere über ihn denken, anscheinend auch völlig scheiß egal ist, was seine beiden Söhne von ihm halten, die eben nicht so ticken wie er und im Grunde auch der ganze Rest der Welt nicht, mache ich in Sachen Anstand, an dieser Stelle, auch gerne einmal, bei allem verbliebenen Respekt, eine mehr als höfliche Ausnahme. Denn lesen wird mein alter Herr, das was ich so schreibe, sowieso nicht. Warum sollte er auch, wenn es ihn ja noch nicht einmal interessiert, was ich denke!?

Und außerdem …, Internet, Blogs, Facebook und Twitter, ist eh nur was für Vollidioten und Grenzdebile. Sowas braucht die Welt nicht, und er erst recht nicht. Denn durch all dieses Teufelszeug wird ja jede Redekultur mit Füßen getreten und am Ende besteht die Zukunft nur noch aus einsam vor sich hin tippenden Schwachköpfen, in der keiner mehr „richtig“ arbeitet – so seine Meinung. Allerdings kann ich mich auch nicht daran erinnern, jemals mit meinem alten Herrn, auch nur länger als dreißig Minuten alleine geredet zu haben – geschweige denn mal, auf Augenhöhe, wenn auch nur über Gott und die Welt, diskutiert zu haben. Nein, es hagelt dann, bei den wenigen Gesprächsmomenten, wenn sie sich dann mal ergeben, ja, schon fast monologartig, an Predigten darüber, was seiner Meinung nach alles in dieser Welt, und natürlich auch in meinem Leben, das der Nachbarn, des Bruders Firma, im Nahen Osten, usw.,  so alles schief läuft.

Mich erfasst dann immer auch gleich eine gewisse Fassungs- und Sprachlosigkeit angesichts dessen, was mir da so vehement und als die totale Unumstößlichkeit größter Lebensweisheiten entgegen dröhnt – lauthals entgegen dröhnt, versteht sich. Mein Standardspruch ist an dieser Stelle immer wieder: Wir werden laut – du musst jetzt nicht noch lauter werden, ich höre immer noch recht gut. Und die Nachbarn erst recht. Das geht dann gefühlte Minuten, in Sachen lauter, noch lauter, um noch lauter zu werden, halbwegs gut. Dann aber muss doch wieder, so nach und nach, erneut der Geräuschkulisse eines Live Konzerts der Stones Konkurrenz gemacht werden und ich wiederhole abermals meinen Standardspruch: Wir werden laut …

Ende Teil 1

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