Von einem der auszog das fürchten zu lernen – mein erster stationärer Krankenhausaufenthalt (Teil 20)

Teile verpasst?
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Diese gruselig, ja fast unbestimmbare Farbigkeit des Inhaltes jener Cola Flasche erwecken in mir gleich zwei wenig erfreuliche Assoziationen: Zum einen …  – abgestandener Baby Brei, an dessen Genuss, bzw. Geschmacklosigkeit ich mich bis heute Gott sei Dank anscheinend nicht mehr wirklich zu erinnern vermag, oder möchte.

Je länger ich aber über diesen breiartigen Flascheninhalt sinniere, komme ich aber auch leider zu der beschämenden Erkenntnis, dass ich dieses Zeug von Brei, wenn dieser Inhalt nun meiner ersten Assoziation entsprechen würde, ich wohl auch selbst meinen eigenen Kindern, im entsprechendem Baby Alter natürlich nur, widerspruchslos, im Auftrag all jener, welche anscheinend Jahrhundertelangen Überlieferungen folgend schon immer wussten, bzw. noch heute zu wissen glauben, wie man aus so kleinen und niedlichen Maden deutlich größere Maden, dann weniger niedlich vielleicht, aber dafür ganz sicher deutlich lauter und noch nerviger als zuvor, zu züchten vermag, vorgesetzt habe.

Ich bin mir heute natürlich auch nicht mehr sicher, ob meinen Maden dieses Zeug damals wirklich geschmeckt hat. Satt wurden sie ja immer – irgendwie. Und beklagt haben sich die beiden ja damals auch nicht wirklich. Denn so reden, sich artikulieren, ging ja auch noch nicht. Wer weiß, was die Kleinen damals so gedacht haben – in Sachen Brei, insofern sie des Denkens, bzw. der Funktion, des sich Erinnerns schon in diesem pränatalem Entwicklungszustand mächtig gewesen wären. Wie gesagt, das Thema Baby Brei ist allseits komplett vergessen. Gott sei Dank!

Zum anderen – nun meine zweite Assoziation, nun noch deutlich weniger erbaulicher hinsichtlich des etwas zu dickflüssigem, zart weiß/grau farbigen Etwas in dieser Cola Flasche, welche ich aber auch jetzt nicht weiter schriftlich breittreten möchte, da es dann doch den Rahmen des guten Geschmacks, hier in diesem Zusammenhang,  womöglich mehr als sprengen würde. Dennoch, bei fachgerechter Tiefen Kühlung, jenes vermeintlichen Inhaltes … nein, ich lasse das jetzt besser.

Pragmatismus meinerseits ist jetzt angesagt!

Ich habe hier nun, auf meinem Beistelltisch,  „ein“ Wasserglas stehen – vom Krankenhaus gestellt, welches optisch scheinbar schon gut 20 Jahre Spülmaschinenerfahrung hinter sich hat und wohl möglicherweise sogar mal ein „Kühne“ Senf Glas war. Das würde mich jetzt nicht wirklich verwundern. Denn auch bei uns zu Hause, als mein Bruder und ich noch Kinder waren,  wurden entleerte Senfgläser nicht einfach nur so weggeschmissen, sondern weiterverwendet und in das damals mehr als  bescheidene Haushaltsgeschirr mit eingereiht. Es gab nun mal Zeiten, da wurde an allen Ecken und Enden gespart. Und diese alten Senfgläser waren halt sehr robust und somit mehr als alltagstauglich, in Sachen Formgebung zwar kein Colani  Edeldesign, aber was macht man schon groß mit so einem Glas auch anderes, als daraus zu trinken? Das heute mittlerweile schon wieder Trinkgläser auf dem Markt sind, vor allem von einem nordischen Möbelgroßkonzern in seiner Nippes Abteilung für angehende Großfamilien angeboten, die eben jenen Senfgläsern aus meinen Kindertagen verdächtig ähnlich sehen, sei hier nun am Rande erwähnt. Es ist Retrozeit – eben jene Zeit, in denen Grafikern/Designern halt nichts mehr Neues einfällt und man sich, auf der Suche nach „neuen“ Ideen, durch aus auch mal Omas und Opas Dachboden und deren Schätze, aus längst vergessenen Tagen, zu Nutze machen könnte. Ich merke derweil, ich schweife ab …

Ich fülle dieses Glas nun, mit besagtem diffusem Inhalt jener Flasche, bis zum Rande, dessen faulige Farbigkeit der Flüssigkeit allein schon vorab so was wie eine totale Schlucksperre herauf zu beschwören scheint. Ich versuche mich somit vorerst an Berechnungen, nein, eher an Schätzungen, wie oft ich nun diesen Vorgang  wiederholen, bzw. ich den Inhalt dieses Glases wohl hinunter würgen muss, um diese Cola Flasche zur Gänze leeren zu können. Denn einen Eichstrich gibt es bei diesem Spülmaschinen Kampfglas natürlich nicht mehr.

Allein die Tatsache, dass ich mich immer noch, wohl in endlosen Gedanken verlierend, mit dieser Flasche und dessen Inhalt beschäftige, scheint die weiteren Anwesenden, hier auf unserem Zimmer (ausgenommen wie immer des Herr W****), abermals zu amüsieren. Zu diesem unsäglichen Gesöff in meinem Glas, aus dieser ominösen Flasche, gibt es wohl anscheinend schon reichlich persönliche Erfahrungen, über die man sich nun in tuschelnder Weise und kichernd, hinter meinem Rücken, austauscht.

Ich kann noch nicht einmal behaupten, dass mir das Verhalten der hier weiteren Zimmergeister auf die Nerven ging. Ich glaube, ich wollte einfach mal wieder nur witzig sein, mal wieder nur den Narren spielen. Eine mir allzu vertraute Rolle, auf die ich im Detail, im kommenden Kapitel leider noch genauer eingehen werden muss.

Ich nehme somit mein Kampfglas, samt Inhalt, stehe auf und biete es auch sogleich unserem Besucher Ehepaar als Erstes, einem 21 Jahre altem Whiskey gleich, unter ihren jeweiligen Nasen hin und her schwenkend, freundlich lächelnd an: „Wollen Sie mal probieren?“

Ende des 20ten Teils

 

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